Hilfe finden

Wenn du beim Lesen der letzten Kapitel gedacht hast „das trifft auf mich zu": Das ist keine Diagnose und kein Grund zur Panik, sondern ein guter Zeitpunkt, jemanden dazuzuholen. Früher ist dabei immer leichter als später.

Hier stehen die Wege der Reihe nach, vom kleinsten bis zum akuten. Du musst nicht bei Stufe eins anfangen. Wenn es dir gerade sehr schlecht geht, spring direkt zum Abschnitt „Wenn es akut ist".

Der erste Schritt ist meistens ein Mensch

Bevor irgendetwas Professionelles kommt, hilft es fast immer, es einmal laut gesagt zu haben. Such dir eine Person, bei der du dich halbwegs sicher fühlst, und sag einen einzigen Satz — zum Beispiel: „Ich merke, dass ich sehr viel Zeit mit einem Chatbot verbringe, und ich bin mir nicht sicher, ob mir das noch guttut."

Du musst nichts erklären, nichts vorzeigen und nichts versprechen. Der Zweck ist nicht die Lösung, sondern das Thema aus dem eigenen Kopf herauszuholen — und danach jemanden zu haben, der Bescheid weiß, wenn du darauf zurückkommst.

Hausarztpraxis: der niedrigschwelligste Einstieg

Die Hausarztpraxis ist der unaufgeregteste Zugang ins Versorgungssystem. Du brauchst keine Diagnose und keine vorbereitete Erzählung, um dort anzufangen. Ein Termin, ein paar Sätze über Schlaf, Konzentration, Stimmung und darüber, wie viel Raum die Gespräche mit einem Chatbot gerade einnehmen — das genügt als Einstieg.

Dort lässt sich auch abklären, ob körperliche Ursachen mitspielen, und von dort kommst du bei Bedarf weiter. Dass dich niemand für dieses Thema auslacht, ist inzwischen der Normalfall: Fachleute begegnen ihm zunehmend häufig.

Psychotherapie: wie du an einen Platz kommst

Der übliche Weg in Deutschland führt über eine psychotherapeutische Sprechstunde. Termine dafür vermittelt die Terminservicestelle unter 116 117; parallel lohnt die Therapeutensuche der Kassenärztlichen Vereinigung oder der Psychotherapeutenkammer deines Bundeslands. Rechne damit, mehrere Praxen anzurufen — leider der Normalfall, kein schlechtes Zeichen.

In der Sprechstunde wird zunächst nur eingeschätzt, ob eine Behandlung sinnvoll ist. Danach folgen einige Probesitzungen, in denen beide Seiten schauen, ob es passt. Wenn es nicht passt, darfst du wechseln — das ist ausdrücklich vorgesehen.

Wichtig für dieses Thema: Du kannst deine KI-Nutzung dort offen ansprechen. Fachgesellschaften haben 2025 und 2026 eigene Empfehlungen dazu veröffentlicht, und die ausdrückliche Bitte lautet, Nutzung von Chatbots im Behandlungskontext offenzulegen. Es ist also keine peinliche Zusatzinformation, sondern eine relevante — vor allem, wenn du den Bot bisher als Gesprächspartner für schwere Themen benutzt hast.

Wenn es akut ist

Wenn du an Suizid denkst, dich selbst verletzen willst oder das Gefühl hast, den Boden zu verlieren: Rede jetzt mit einem Menschen, nicht mit einem Chatbot.

Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Auf telefonseelsorge.de gibt es zusätzlich einen Chat und eine Mail-Beratung, falls dir Sprechen gerade zu viel ist.

Außerhalb Deutschlands findest du über findahelpline.com in wenigen Sekunden die passende Krisennummer für dein Land — die Seite erkennt das Land automatisch und listet kostenlose Angebote.

Bei unmittelbarer Gefahr für dich oder andere gilt der Notruf 112. Das ist kein übertriebener Schritt; genau dafür ist er da.

Für Angehörige

Auch wer sich um jemanden sorgt, darf sich Unterstützung holen — und muss nicht warten, bis die betroffene Person selbst bereit ist. Anlaufstellen sind die psychosozialen Beratungsstellen der Kommunen und Wohlfahrtsverbände, Erziehungsberatungsstellen bei Sorgen um Kinder und Jugendliche sowie Suchtberatungsstellen, die für problematische Mediennutzung längst zuständig sind. Die Beratung ist meist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.

Dort bekommst du zwei Dinge, die zu Hause schwer zu haben sind: eine Einschätzung von außen und konkrete Formulierungen für das nächste Gespräch. Wie du dieses Gespräch führst, ohne dass es in Streit kippt, steht im Kapitel „Wenn du dir um jemanden sorgst".

Austausch mit anderen

Zwischen „allein damit" und „in Therapie" liegt ein großer Bereich, den Selbsthilfe gut abdeckt. Über die örtlichen Selbsthilfe-Kontaktstellen findest du Gruppen zu Mediennutzung; im Netz gibt es inzwischen Peer-Räume speziell für Menschen, deren KI-Nutzung aus dem Gleichgewicht geraten ist, und für ihre Angehörigen.

Auch die bejiji-Community unter bejiji.com/community ist so ein Ort: ein moderierter Bereich, in dem offen über Testergebnisse, Muster und Rückschläge geschrieben wird. Ein Forum ersetzt keine Behandlung, aber es nimmt einem Thema die Einzigartigkeit — zu lesen, dass jemand anderes dasselbe beschreibt, macht für viele den ersten echten Schritt möglich.

Was du zum Gespräch mitbringen kannst

Fachpersonen können dir schneller helfen, wenn sie ein paar konkrete Anhaltspunkte haben. Nützlich sind: eine grobe Schätzung deiner Nutzungszeiten (die Bildschirmzeit deines Geräts reicht völlig), die typischen Anlässe — Langeweile, Einsamkeit, Angst, Arbeit, nachts nicht schlafen können —, was sich seit Beginn verändert hat (Schlaf, Konzentration, Kontakte, Stimmung) und was du selbst bereits versucht hast.

Chatverläufe oder Screenshots musst du nicht mitbringen. Es ist völlig in Ordnung, zusammenzufassen oder Persönliches wegzulassen — es geht um dein Muster, nicht um Beweise. Und falls dir das alles zu viel Vorbereitung ist: Der erste Satz reicht auch, alles Weitere ergibt sich im Gespräch.

Das Wichtigste

  • Der erste Schritt ist meist ein einziger Satz an einen Menschen, dem du halbwegs vertraust.
  • Die Hausarztpraxis ist der niedrigschwelligste Einstieg; Therapieplätze vermittelt in Deutschland die 116 117.
  • Krisen: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, rund um die Uhr, kostenlos und anonym — Chat auf telefonseelsorge.de, international findahelpline.com, bei Gefahr 112.
  • Angehörige finden Unterstützung in psychosozialen Beratungsstellen — auch ohne die betroffene Person.
  • Zum Gespräch reichen Nutzungszeiten, typische Anlässe und Veränderungen; Screenshots brauchst du nicht.

Klarheit vor dem ersten Gespräch

Wenn du unsicher bist, wie du dein Muster beschreiben sollst: Der KI-Psychose-Test sortiert es in sechs Dimensionen und liefert dir eine Sprache dafür. Kostenlos, in etwa fünf Minuten, ohne Anmeldung — und ausdrücklich keine Diagnose.

Zum KI-Psychose-Test